Nikolaus Habjan

Quelle: Wikipedia

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Nikolaus Habjan
Zwischen Oper, Puppe und Pfeifton: Nikolaus Habjan begeistert als Regisseur, Puppenspieler und Kunstpfeifer
Nikolaus Habjan, geboren am 24. September 1987 in Graz, zählt zu den Ausnahmeerscheinungen im deutschsprachigen Musik- und Theaterleben. Der österreichische Regisseur, Puppenspieler und Kunstpfeifer verbindet Musiktheater, Figurenspiel und szenische Fantasie zu unverwechselbaren Bühnenbildern. Bekannt wurde er mit präziser Bühnenpräsenz, klugem Arrangement und einem Blick für die poetische wie politische Schlagkraft des Theaters. Seine künstlerische Entwicklung führte ihn von ersten Produktionen am Wiener Schubert Theater bis zu großen Opernhäusern und renommierten Festivals, wo er als Musiktheaterregisseur und Performer gleichermaßen überzeugt.
Biografie: Ausbildung und erste künstlerische Schritte
Schon früh prägten Musik und Theater seine Musikkarriere: Nach musikalischer Früherziehung und Violinunterricht vertiefte Habjan sein Interesse am Figurenspiel und erlernte 2003 den Umgang mit Klappmaulpuppen beim australischen Puppenspieler Neville Tranter, dessen Technik er über Jahre hinweg perfektionierte. Parallel dazu studierte er von 2006 bis 2010 Musiktheaterregie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und schloss mit Auszeichnung ab – eine Basis, die seine spätere Expertise in Komposition, szenischem Arrangement und Produktion im Musiktheater entscheidend schärfte. Bereits während des Studiums entstanden erste Arbeiten, die das Ineinandergreifen von Puppenspiel, Regie und Musiktheater erprobten.
Durchbruch in Wien: Schubert Theater, „F. Zawrel“ und die Nestroy-Auszeichnung
Habjans künstlerischer Durchbruch gelang im Off-Theater-Umfeld Wiens. Am Schubert Theater war er ab 2008 als Regieassistent und Abendspielleiter aktiv, später von 2009 bis 2016 als Co-Direktor. Hier entwickelte er jene Handschrift, die sein Werk bis heute prägt: pointiertes Timing, doppelter Blick von Puppe und Mensch sowie eine präzise musikalische Dramaturgie. Das Figurentheaterstück „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ wurde 2012 mit dem Nestroy-Preis als „Beste Off-Produktion“ ausgezeichnet und tourt seither regelmäßig – ein Beleg für Habjans nachhaltige Bühnenwirkung und sein Gespür für heikle historische Stoffe, die er mit künstlerischer Integrität auflädt. Der Erfolg bereitete den Sprung an größere Häuser vor und zeigte das Potenzial seiner speziellen Theaterästhetik.
Regie an Opern- und Schauspielhäusern: Von „Oberon“ bis „Fidelio“
Als Opernregisseur arbeitet Habjan seither an führenden Bühnen im deutschsprachigen Raum. Auffällig ist seine stilistische Bandbreite: von Carl Maria von Webers „Oberon“ (u. a. Münchner Opernfestspiele, Theater an der Wien) über „Salome“ bis hin zu Offenbachs „La Périchole“, die 2024 mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis (Kategorie „Beste Operette“) ausgezeichnet wurde. Als Hausregisseur an der Oper Dortmund (2020/21–2023/24) formte er mit Arbeiten wie „Die Entführung aus dem Serail“, „Tosca“, „Die Zauberflöte“ und „Orpheus in der Unterwelt“ ein markantes Repertoire. Ende 2025 realisierte er mit „Fidelio“ sein Hausdebüt an der Wiener Staatsoper – eine Neuinszenierung zu einem Jubiläum, die in Interviews durch klare Positionen zum Operntext und zu Fragen des Musiktheaters auffiel. Diese Stationen dokumentieren seine Autorität in Regie, Konzeption und musikalischer Auslegung großer Partituren.
Bühnenpräsenz als Puppenspieler: Projekte, Preise, Repertoire
Neben der Regie bleibt Habjan als Puppenspieler und Erzähler präsent. Er verkörpert auf der Bühne Figuren, die zwischen Satire, Empathie und szenischem Kommentar changieren, und nutzt die Puppe als musikalisch-dramaturgisches Instrument. In Graz und Berlin ist er mit Solostücken wie „F. Zawrel“ regelmäßig zu Gast; am Deutschen Theater führt er Produktionen wie „Böhm“ fort, die in mehr als 60 Vorstellungen auf nachhaltige Resonanz stießen. Auch Jelinek-Adaptionen und Shakespeare-Sonette profitierten von seiner Doppelperspektive aus Körpertheater und Klangdramaturgie. Seine künstlerische Entwicklung zeugt vom Willen, Theater als akustisch-visuelles Gesamtkunstwerk zu denken – mit der Puppe als Taktgeberin im Geflecht aus Text, Rhythmus und Szene.
Kunstpfeifer mit Tradition: Virtuosität zwischen Arie und Ohrwurm
Als Kunstpfeifer knüpft Habjan an eine heute selten gepflegte Tradition an und überträgt Opern- und Operettenmelodien ins feinsinnige Medium des Pfeifens. Programme wie „Heiße Luft“ stellen bekannte Arien in neuem Klanglicht vor und verbinden virtuose Atemtechnik, Phrasierung und Artikulation mit charmanter Moderation. Diese Spezialität, die im 19. Jahrhundert an Wiener Varietébühnen glänzte, belebt er mit moderner Musikalität und einem Gespür für dramaturgische Balance – so entsteht eine Performance, die das Ohr fokussiert und die Melodie als narrative Spur führt. Für das Publikum öffnet sich ein anderer Zugang zu Belcanto, Operette und Lied, der die Feinmechanik von Tonbildung und Linienführung hörbar macht.
Kooperationen mit Franui und lieddramaturgische Formate
Eine prägende Partnerschaft verbindet Habjan mit der Musicbanda Franui. Gemeinsam mit dem Bassbariton Florian Boesch realisieren sie szenische Liedprojekte, die Klassik, Volksmusikfarben und Puppenspiel miteinander verweben. 2025 stand Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“ im Wiener Konzerthaus auf dem Programm – ein Abend, an dem die große Lyrik des 19. Jahrhunderts mit Habjans Figurenkunst korrespondierte und so eine zeitgenössische Perspektive auf romantische Narration eröffnete. Die lieddramaturgische Durchdringung, das Ensemblearrangement zwischen Tuba, Hackbrett und Harfe sowie der Einsatz lebensgroßer Puppen zeigen seine Expertise in der Musikregie, die über Opernpartituren hinaus bis ins Kunstlied reicht.
Diskographie: „Kreisler-Lieder“ mit Franui
Auch auf Tonträgern ist Habjan präsent. 2022 erschien bei col legno das Album „Kreisler-Lieder“ mit der Musicbanda Franui. Die Aufnahme versteht sich als Hommage an Georg Kreisler und setzt dessen scharfzüngige Chansons in ein farbenreiches, kammermusikalisches Klangbild. Produktion und Arrangement greifen die doppelte Perspektive aus Musik und Szene auf: Die Lieder gewinnen Kontur durch fein abgestimmte Instrumentation, Artikulation und eine Dramaturgie, die das Album als Bogen auslegt. Aus musikjournalistischer Sicht überzeugt die Platte durch klangliche Transparenz, sprechende Phrasierung und eine deutlich hörbare Spiellust, die Kreislers satirische Wucht respektiert und aktualisiert.
Stil und Handschrift: Ästhetik zwischen Musiktheater und Figurenspiel
Habjans Stil verbindet präzise musikalische Lesarten mit der bildmächtigen Logik des Figurenspiels. Seine Regie nutzt die Puppe als Reflexionsfläche: Figuren werden zu Kommentatoren des Bühnengeschehens, setzen Subtexte frei und erlauben rasche Perspektivwechsel. In der Produktion entfalten Musik, Sprache und Bewegung eine synästhetische Einheit. Technisch arbeitet er mit klarem Licht, rhythmischer Szenenfolge und einer „sprechenden“ Ausstattung, die die Partitur strukturiert. Musikhistorisch referenziert er auf Traditionen des Wiener Unterhaltungstheaters, der Operette und des Chansons – stets mit Gegenwartsbewusstsein. In „Fidelio“ etwa betont er die Dialogdramaturgie, in Franui-Projekten die Lieddramaturgie; beides zeigt sein Verständnis von Komposition als Theatertext, der szenisch interpretiert wird.
Kritische Rezeption, Auszeichnungen und Autorität
Die Musikpresse würdigt Habjans Arbeiten als innovativ und präzise geführt. Frühe Anerkennung brachte der Nestroy-Preis 2012 für „F. Zawrel“. Es folgten Publikumspreise und der Festspielpreis der Münchner Opernfestspiele 2017 für „Oberon“. 2024 prämierte der Österreichische Musiktheaterpreis die „La Périchole“-Inszenierung als „Beste Operette“ – ein Ausweis seiner Autorität in der Opernpraxis. Interviews und Porträts ordnen ihn als Regisseur ein, der realistische Illusion zugunsten theatraler Wahrhaftigkeit vermeidet und Musik als szenische Energiequelle versteht. Diese Mischung aus Erfahrung, Fachwissen und künstlerischer Risikobereitschaft führt zu Produktionen, die Publikum und Kritik gleichermaßen erreichen.
Aktuelle Projekte und Termine
Die jüngste Spielzeit markierte Habjans Präsenz an Top-Häusern: Mit „Fidelio“ an der Wiener Staatsoper debütierte er im Dezember 2025 in einem traditionsreichen Werk der Operngeschichte. Parallel setzte er seine Zusammenarbeit mit Franui fort und präsentierte im November 2025 „Die schöne Müllerin“ im Wiener Konzerthaus. Sein offizieller Terminkalender verweist zudem auf Premieren und Wiederaufnahmen – darunter „BY(E) STRAUSS“ am Theater an der Wien zum Jahreswechsel 2025/26 – sowie Gastspiele und Koproduktionen am Deutschen Theater in Berlin für 2026. Das Kontinuum aus Oper, Liedformat und Figurentheater bleibt damit programmatisch.
Fazit: Warum Nikolaus Habjan fasziniert
Nikolaus Habjan verbindet musikalische Expertise mit einer eigenen Körpersprache des Theaters. Er führt große Partituren mit dramaturgischer Klarheit, nutzt die Puppe als Denkfigur der Bühne und kultiviert als Kunstpfeifer eine Virtuosität, die Melodien in ihrer Essenz erlebbar macht. Seine Arbeiten besitzen kulturellen Wert, weil sie Vergangenes – vom Biedermeierlied bis zur Operette – mit Gegenwartsenergie aufladen. Wer Oper und Musiktheater neu hören und sehen will, erlebt bei Habjan, wie musikalische Struktur zu szenischer Sprache wird. Empfehlung: live erleben – in Oper, szenischem Liedabend oder im dichten Soloabend, in dem Klang, Text und Gestalt eine präzise, bewegende Einheit bilden.
Offizielle Kanäle von Nikolaus Habjan:
- Instagram: Kein offizielles Profil gefunden
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Quellen:
- Wikipedia – Nikolaus Habjan
- Offizielle Website – Nikolaus Habjan
- Deutsches Theater Berlin – Künstlerprofil und Termine
- Staatskapelle Berlin – Künstlerprofil
- Salzburger Kulturvereinigung – Programm „Heiße Luft“
- WienTourismus – Musicbanda Franui & Nikolaus Habjan (Die schöne Müllerin)
- Machreich Artists – Ankündigung „Die schöne Müllerin“ (Konzerthaus Wien, 09.11.2025)
- Apple Music – Franui & Nikolaus Habjan: „Kreisler-Lieder“ (2022)
- Die Presse – Interview zu „Fidelio“ (11.12.2025)
- SWR2 – Porträt „Zur Person“ (23.07.2023)
- Wikipedia: Bild- und Textquelle
