Die Dunkle Seite in Hof: True Crime trifft Lesung, Musik und schwarzen Humor


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Wenn wahre Verbrechen zur literarischen Grenzerfahrung werden
Am 21. November 2026 verwandelt sich das Galeriehaus in Hof in einen Schauplatz für True Crime, Kriminalliteratur, schwarze Komik und musikalische Abgründe. Die Veranstaltung Die Dunkle Seite: True Crime verbindet Lesungen von Sophie Sumburane, Peter Probst und Christian Kreis mit einem Talk von Roland Spranger sowie Dark-Folk-Musik von Joanna Gemma Auguri.
Sophie Sumburane: Forensische Sprachkunst und die Schatten der Wendezeit
Sophie Sumburane liest aus ihrem Kriminalroman Keine besonderen Auffälligkeiten. Im Zentrum steht ein Brandenburger Dorf im Oktober 1989: Während wenige Kilometer entfernt die Mauer fällt, erschüttert eine Mordserie die Region. Der Roman verbindet die Dramaturgie des True Crime mit einer präzisen literarischen Untersuchung von Angst, Erinnerung und gesellschaftlichem Umbruch.
Sumburane studierte Germanistik und Afrikanistik in Leipzig und promoviert über forensische Linguistik. Ihre Kriminalromane verknüpfen Recherche, politische Aufmerksamkeit und psychologisch differenzierte Figurenzeichnung. Für ihre gesellschaftspolitische Arbeit wurde sie 2024 gemeinsam mit Sookee mit dem Walter-Mossmann-Preis ausgezeichnet. Ihr Roman Keine besonderen Auffälligkeiten wurde in der Literaturkritik als eindringliche Auseinandersetzung mit den Folgen realer Gewalt und dem letzten Serienmörder der DDR wahrgenommen.
Peter Probst: Das Verbrechen als offene Wunde
Peter Probst präsentiert Am helllichten Tag, einen Kriminalroman über ein Schuldgeständnis und das nie aufgeklärte Verschwinden dreier Kinder im Pirmasens der 1960er-Jahre. Die Handlung führt in die Zwischenräume von Familiengeschichte, journalistischer Recherche und verdrängter Erinnerung.
Probst schrieb mehr als 100 Drehbücher für Formate wie Tatort und Polizeiruf 110 und arbeitet seit 1988 als Dozent für Drehbuch und Kreatives Schreiben. Seine Erfahrung mit filmischer Spannung prägt auch seine Romane: Szenen werden pointiert gesetzt, Perspektiven wechseln mit sicherem Rhythmus, und hinter dem Kriminalfall erscheint die moralische Frage nach Verantwortung.
Christian Kreis: Moritaten zwischen Schrecken und schwarzem Humor
Christian Kreis liest aus seinen Schlagzeilenmoritaten. Obskure Zeitungsmeldungen werden bei ihm zu gereimten Miniaturen, in denen das Absurde und das Bedrohliche dicht beieinanderliegen. Die literarische Form verwandelt den nüchternen Nachrichtenstoff in eine sprachlich funkelnde Bühnenperformance.
Als Stadtschreiber von Halle und Betreiber der Lesebühne Kreis mit Berg bewegt sich Kreis souverän zwischen Poetry Slam, Satire und literarischer Beobachtung. Sein Auftritt verspricht eine ungewöhnliche Perspektive auf das Genre: Der Schrecken bleibt erkennbar, doch die Sprachkunst öffnet Raum für befreiendes Lachen.
Musik von Joanna Gemma Auguri: Klang zwischen Heimweh und Abgrund
Joanna Gemma Auguri begleitet den Abend mit Akkordeon und Dark Folk. Ihr Instrument klingt dabei nicht bloß begleitend, sondern entwickelt eine eigene dramatische Präsenz, beinahe wie eine Kirchenorgel. Der sirenenhafte Gesang und die Themen Heimat, Identität und Verlust verleihen der Lesungs-Atmosphäre eine dunkle, sinnliche Tiefe.
Ihr Album Hiraeth bezieht sich auf ein walisisches Wort für die schmerzhafte Sehnsucht nach einem verlorenen oder vielleicht nie existierenden Ort. Diese Stimmung aus Nostalgie, Wehmut und Unruhe bildet einen musikalischen Resonanzraum für die literarischen Texte des Abends.
Talk mit Roland Spranger: Der Krimi im kulturellen Diskurs
Roland Spranger führt als Gesprächspartner durch den Abend. Der mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnete Autor schreibt Romane, Theaterstücke und Kurzkrimis und steht für eine engagierte, gesellschaftlich wache Kriminalliteratur. Seine Moderation verbindet Genrekenntnis mit dem Blick auf die politischen und ethischen Fragen hinter den Geschichten.
So entsteht mehr als eine Folge einzelner Lesungen. Die Veranstaltung untersucht, wie Literatur reale Verbrechen verarbeitet, welche Verantwortung Erzählungen gegenüber Opfern und Angehörigen tragen und weshalb True Crime zwischen Aufklärung, Faszination und Voyeurismus eine besondere Aufmerksamkeit verlangt.
Fazit: Ein literarisches Erlebnis für Krimifans und Kulturinteressierte
Die Dunkle Seite: True Crime versammelt eindringliche Kriminalliteratur, schwarzen Humor, musikalische Atmosphäre und fachkundigen Austausch. Besucherinnen und Besucher erwartet eine Autor-Begegnung, die Spannung nicht als Selbstzweck versteht, sondern als Zugang zu Erinnerung, gesellschaftlicher Wirklichkeit und sprachlicher Kunstfertigkeit. Wer True Crime, Lesungen und zeitgenössische Literatur in ungewöhnlicher Verbindung erleben möchte, sollte diesen Abend im Galeriehaus Hof live erleben.
Offizielle Kanäle von Sophie Sumburane:
- Instagram: kein offizielles Profil gefunden
- Facebook: kein offizielles Profil gefunden
- Website: https://sophie-sumburane.com/
- Verlag: https://edition-nautilus.de/autorinnen/sumburane-sophie/










